Pille danach
Notfallverhütung bei Verhütungspanne
Die Pille danach ist ein hormonelles Notfallverhütungsmittel, das eine ungewollte Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr verhindern soll.
In Deutschland gibt es zwei Typen:
Eine enthält 1,5 mg Levonorgestrel (z.B. Pidana®) und wirkt bis 72 Stunden danach, die andere enthält 30 mg Ulipristalacetat (z.B. ellaOne®, Femke®) und wirkt bis 120 Stunden (5 Tage) nach dem Sex .
Beide Wirkstoffe verzögern oder verhindern den Eisprung – so kann sich Ei und Samenzelle nicht
treffen. Wichtig: Je früher die Pille danach eingenommen wird, desto höher ist der Schutz
Einnahmezeitraum
Levonorgestrel-Präparate spätestens 72 Stunden nach der Verhütungspanne (optimal möglichst innerhalb von 12 Stunden) . Ulipristalacetat-Tabletten bis 120 Stunden (5 Tage) nach dem Geschlechtsverkehr
Schneller = sicherer
Die Wirksamkeit sinkt mit jedem 12-Stunden-Intervall nach dem Verkehr.
In allen Fällen gilt: so bald wie möglich einnehmen
Vorsicht bei Erbrechen
Wird die Tablette innerhalb von 3 Stunden nach Einnahme erbrochen, muss sie sofort erneut eingenommen werden. Vorbeugend sollte man vorher etwas essen, um Übelkeit zu vermeiden.
Weiter verhüten
Die Notfall-Pille schützt nur einmalig. Während des restlichen Zyklus sollte sofort eine kontinuierliche Verhütung (z.B. Pille, Kondom) fortgesetzt werden . Bei Levonorgestrel kann man 24 Stunden nach der Einnahme die reguläre Pille weiternehmen (zusätzlich für 7 Tage mit Kondom schützen) , bei Ulipristal erst nach 5 Tagen (für 14 Tage mit Kondom verhüten).
Wirkstoffe und Nebenwirkungen
Beide Wirkstoffe sind gut verträglich, können aber Nebenwirkungen auslösen. Häufig sind Übelkeit,
Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel sowie Unterbauch- oder Rückenschmerzen, Brustspannen,
Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen. Auch kann die nächste Monatsblutung verspätet,
stärker oder schwächer ausfallen.
Störungen der Periode
Schmierblutungen oder verspätete Regel sind normal . Bleibt die Periode länger als üblich aus oder ist ungewöhnlich stark/schwach, sollte ein Schwangerschaftstest gemacht und ggf. ein Arzt konsultiert werden
Erneuter Verkehr
Hat man nach Einnahme wieder ungeschützten Sex, kann eine neue
Schwangerschaft nicht verhindert werden – dann sofort erneut verhüten (z.B. Kondom).
Wechselwirkungen und Kontraindikationen
Bestimmte Medikamente und Zustände können die Wirkung schwächen. Insbesondere CYP3A4-induzierende Medikamente (z.B. Johanniskraut, Antiepileptika wie Phenytoin/Carbamazepin oder Rifampicin) können die Aufnahme der Wirkstoffe reduzieren. In solchen Fällen sollte ärztlich beraten werden, eventuell ist eine Kupferspirale die sicherere Alternative. Auch hohes Körpergewicht kann die Wirksamkeit mindern – bei starkem Übergewicht (BMI ≥ 25) wird eine Spirale empfohlen.
Asthma und andere Erkrankungen
Bei schwerem Asthma unter oraler Kortison-Therapie sollte kein Ulipristalacetat eingenommen werden . Akute Leberfunktionsstörungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder starkes Erbrechen/Durchfall können die Wirkung ebenfalls einschränken – dennoch kann die Pille danach abgegeben werden, am besten mit Hinweis auf ärztliche Nachsorge.Bestehende Schwangerschaft
Liegt bereits eine Schwangerschaft vor oder wird vermutet, darf die Pille danach nicht angewendet werden. Typische Hinweise sind ausgebliebene Regel oder ungewöhnliche Blutungen . In diesem Fall ist ein Schwangerschaftstest empfohlen.
Besondere Hinweise
Altersgruppe
Für Frauen jeden gebärfähigen Alters ist die Pille danach zugelassen. Es gibt keine Altersgrenze – auch Jugendlichen kann sie ohne ärztliche Rücksprache abgegebenwerden. Unter 14 Jahren sollte jedoch besonders einfühlsam beraten werden.
Stillzeit
Beide Wirkstoffe gehen in die Muttermilch über. Deshalb wird empfohlen, unmittelbar vor der Einnahme zu stillen und danach wie folgt eine Pause einzulegen: Bei Levonorgestrel 8 Stunden, bei Ulipristalacetat 7 Tage. Während dieser Zeit sollte man abgepumpte Milch verwerfen und regelmäßig stillen, um die Milchproduktion zu erhalten.
Verhütung bei Vergewaltigung
Bei einer Vergewaltigung ist die Pille danach dringend indiziert. Die Frau sollte die Notfall-Pille erhalten, zusätzlich an eine gynäkologische Praxis verwiesen werden und auf Unterstützung wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (Tel.116 016) oder eine Anzeige bei der Polizei hingewiesen werden.
Zusammenfassung
Die Pille danach (mit Levonorgestrel oder Ulipristalacetat) ist in Deutschland rezeptfrei erhältlich und verhindert zuverlässig eine Schwangerschaft, wenn sie zügig nach der Verhütungspanne eingenommen wird. Grundlegende Beratungspunkte sind Wirkstofftyp, Einnahmezeitpunkt und individuelle Faktoren (z. B. Gewicht, weitere Medikamente). Bei Nebenwirkungen wie Übelkeit oder ungewöhnlichen Blutungen sollte man sich in der Apotheke oder beim Arzt informieren. Wichtig ist zudem, während desrestlichen Zyklus zusätzlich zu verhüten. Weitere ausführliche Hinweise gibt es in der entsprechenden Fachliteratur und bei Apothekenberatung.